Fabric Apps gehören zu den spannendsten Neuerungen in Microsoft Fabric der letzten Monate. Erstmals lassen sich individuelle Web-Applikationen direkt im Fabric-Ökosystem entwickeln. Power BI wird seit Jahren für seine Einfachheit geschätzt – wegen der starken Standardisierung und der begrenzten individuellen Anpassungsmöglichkeiten aber auch kritisiert. Mit Fabric Apps gehört diese Einschränkung der Vergangenheit an. In diesem Beitrag zeigen wir, was Fabric Apps sind, welche Voraussetzungen Sie brauchen, wie unsere ersten beiden Apps entstanden sind und worauf Sie bei der Entwicklung achten sollten.
Was sind Microsoft Fabric Apps?
Fabric Apps sind Web-Applikationen, die direkt in Microsoft Fabric laufen. Sie profitieren vom Fabric-Kontext – etwa von Rollen und Authentifizierung – und werden als Inline Frame (iframe) in den Fabric Service eingebunden. Technisch basieren sie typischerweise auf einem modernen Web-Frontend, zum Beispiel:
- React / TypeScript / JavaScript für die Benutzeroberfläche
- Node.js, npm/npx und Vite für Entwicklung, Build und lokale Ausführung
- Fabric REST APIs / Fabric SDKs zur Interaktion mit Fabric-Artefakten
- Fabric Backend Services wie Lakehouse, Warehouse, Semantic Models, Notebooks oder Data Pipelines
Kurz gesagt: Fabric Apps bringen Custom App Development direkt in den Fabric-Kontext – mit Web-Technologien im Frontend und Fabric- bzw. Azure-Diensten im Backend.
Voraussetzungen: Diese Technologien sollten Sie kennen
Wer nicht aus der Frontend-Entwicklung kommt, muss sich zuerst in einige Themen einarbeiten, um den Toolstack hinter Fabric Apps nachvollziehen zu können:
- JavaScript: Programmiersprache des Webs. Wird im Browser ausgeführt und steuert die Logik der Anwendung, z.B. Benutzerinteraktionen, Datenverarbeitung und Kommunikation mit APIs.
- React: JavaScript-Bibliothek für den Aufbau moderner Benutzeroberflächen. Wird verwendet, um interaktive Komponenten wie Formulare, Listen, Navigation oder Dashboards strukturiert und wiederverwendbar zu entwickeln.
- TypeScript: Erweiterung von JavaScript mit Typisierung. Hilft dabei, Fehler frühzeitig zu erkennen, Code besser wartbar zu machen und gerade grössere Anwendungen sauberer zu strukturieren.
- Node.js: Laufzeitumgebung für JavaScript ausserhalb des Browsers. Wird benötigt, um moderne Web-Tools, Build-Prozesse und lokale Entwicklungsserver auszuführen.
- npm: Paketmanager für JavaScript/Node.js. Wird verwendet, um Abhängigkeiten zu installieren, Skripte auszuführen und Projektpakete zu verwalten.
- npx: Hilfswerkzeug, um npm-Pakete direkt auszuführen, ohne sie dauerhaft installieren zu müssen. Praktisch für einmalige Setup- oder Generator-Befehle.
- Vite: Modernes Build- und Entwicklungswerkzeug für Web-Apps. Es startet sehr schnell und eignet sich gut für Frontend-Entwicklung mit Frameworks wie React, Vue oder Svelte.
App 1: Die To-do-App aus dem Template
- In Fabric eine neue App-Ressource anlegen
- Den vorgefertigten Prompt kopieren
a) Run: npm create @microsoft/rayfin@latest — „<App-Name>“ –workspace „<Workspacename>
b) Open the scaffolded project directory
c) Explore the project structure and understand the Rayfin app framework
d) Run npm run dev
e) Make changes to the app based on my instructions
f) When ready, deploy with: npx rayfin up - Den Prompt in einem Entwicklungstool wie Visual Studio Code mit GitHub Copilot ausführen
- Über die Command Line ein Template auswählen
- App deployen

In der Praxis ist es natürlich nicht ganz so geradlinig. Vor allem müssen die oben aufgeführten Voraussetzungen erfüllt sein. Statt über den Agent lassen sich die Befehle übrigens jederzeit auch direkt in der PowerShell ausführen.
App 2: FabConn Manager – Fabric Connections im Griff
Die erste App, die wir effektiv selbst entwickelt haben, ist ein Fabric Connection Manager. Da sich Fabric Connections nur mit einigem Aufwand verwalten lassen, deckt die App ein echtes Bedürfnis ab: Insbesondere der Berechtigungskontext und die Funktionstüchtigkeit der Connections lassen sich damit einfach abrufen.
Neben den initialen Arbeiten aus der ersten App brauchte es für das Auslesen der Tenant-Connections zusätzlich eine App Registration, welche die Einstellungen via API abfragen kann.
Das Ergebnis kann sich schon nach kurzem Prompten sehen lassen:
- Die App basiert auf einem Template, das bereits das Login regelt
- Damit haben wir das benötigte Token, um via API auf die Connections zugreifen zu können
- Alle Connections können mit allen Details ausgelesen und aufgelistet werden
- Jede Verbindung ist direkt mit ihren Settings verlinkt
- Die Funktionsfähigkeit der einzelnen Connections wird getestet und angezeigt


Pitfalls: Ist bei Fabric Apps alles ein Happy Path?
Für viele Data Engineers, Data Analysts sowie Power-BI- und Fabric-Entwickler ist Web Development Neuland. Dank agentischer Unterstützung entstehen trotzdem funktionsfähige Apps. Genau darin liegt aber die Gefahr: Entwickler ohne Web-Development-Erfahrung bauen Anwendungen, die Zugriff auf Daten und Metadaten aus dem Tenant erhalten. Spätestens bevor solche Apps produktiv geschaltet werden, sind Vorsicht und ein Review durch Expertinnen und Experten geboten.
Einschränkungen durch die Einbindung als iframe
Fabric Apps werden grundsätzlich als normale Webseite mit eigener URL in der Microsoft Cloud gehostet und über ein iframe in Fabric eingebunden. Das bringt einige Einschränkungen mit sich: So kann das iframe beispielsweise keine Pop-ups für Anmeldefenster öffnen – wie sie bei App 2 für die Aktualisierung der Verbindungen nötig wären.

Umgekehrt lassen sich nicht alle Apps über die direkte URL öffnen: Sobald eine Datenverbindung besteht, muss die App zwingend innerhalb von Fabric geöffnet werden.

Fabric Apps vs. Power BI: Brauche ich Power BI überhaupt noch?
Ja, ganz klar. Fabric Apps erweitern die Möglichkeiten von Microsoft Fabric, ersetzen Power BI aber nicht. Power BI bleibt das zentrale Werkzeug für standardisierte Berichte, Dashboards, Self-Service Analytics und die breite Verteilung von Kennzahlen im Unternehmen. Fabric Apps spielen ihre Stärken dort aus, wo zusätzliche Interaktion, individuelle Oberflächen oder spezifische Workflows gefragt sind, die sich mit einem klassischen Bericht nur schwer oder gar nicht abbilden lassen.
Sollte ich jetzt also alles mit Apps umsetzen? Die Antwort lautet ebenso klar: Nein. Der sinnvolle Ansatz heisst nicht Power BI versus Fabric Apps, sondern Power BI plus Fabric Apps. Standardisierte Analyse- und Reporting-Szenarien gehören weiterhin in Power BI. Fabric Apps kommen dann ins Spiel, wenn ein Use Case mehr Applikationslogik, Eingabemöglichkeiten oder eine stärker geführte User Experience verlangt.
Fazit: Fabric Apps als starke Ergänzung zu Power BI
Microsoft Fabric Apps öffnen Fabric für individuelle Web-Applikationen und schliessen damit eine Lücke, die viele Power-BI-Anwenderinnen und -Anwender seit Jahren kennen. Mit Templates und GitHub Copilot gelingt der Einstieg schnell. Für produktive Apps braucht es jedoch Web-Know-how und ein Review durch Expertinnen und Experten. Richtig eingesetzt ergänzen Fabric Apps Power BI ideal – überall dort, wo Standard-Reporting an seine Grenzen stösst.
Sie möchten Fabric Apps in Ihrem Unternehmen evaluieren oder einen ersten Use Case umsetzen? Kontaktieren Sie uns – wir unterstützen Sie gerne.